Ein Artikel von Vivian
Triggerwarnung: In diesem Artikel geht es um sexualisierte Gewalt.
Wer ist Gisèle eigentlich?
Gisèle Pelicot ist am 7. Dezember 1952 (72 Jahre) in Villingen (Deutschland) geboren. Gisèles Vater war ein franzsösischer Berufssoldat, der in Villingen stationiert war. Als Gisèle fünf Jahre alt war, zog sie mit ihrer Familie nach Frankreich, sie wuchs in der Nähe von Paris auf. Mit neun Jahren verlor Gisèle ihre Mutter an Krebs.
1971 lernte Gisèle Dominique (ihren späteren Ehemann) kennen, sie heirateten 1973. Das Ehepaar zog in den Pariser Vorort Villiers-sur-Marne. Gisèle absolvierte eine Ausbildung zur Stenotypistin und arbeitete bei der staatlichen Elektrizitätsgesellschaft (EDF). Dort stieg sie auf zur leitenden Angestellten. Gisèle ist auch Mutter von drei Kindern.
Im Jahre 2004 reichte Gisèle die Scheidung ein, weil Dominique sich hoch verschuldet hatte. 2007 heiratete sie ihn erneut, beim Prozessbeginn 2024 ließ sie sich erneut scheiden.
Was wurde Gisèle Pelicot angetan?
Nach dem Umzug nach Provence im Jahr 2013 begann Dominique, seiner Frau 11 Jahre hinweg schwerer sexualisierter Gewalt auszusetzen. Er betäubte sie ohne ihr Wissen durch den Einsatz starker Medikamente. Diese Medikamente mischte er heimlich in Gisèles Essen. Dominique lud insgesamt 82 Männer in das Haus in Mazan ein, um Gisèle vergewaltigen zu lassen. Die Übergriffe filmte und dokumentierte Dominique sehr genau. Dominique fand den Kontakt zu den Tätern über eine Website (Coco.gg). Dies war eine französische allgemein zugängliche Online – Chat-Seite, frei von jeglicher Moderation, die im Juni 2024 vollständig gelöscht wurde. Der Grund für die Löschung von Coco.gg war, dass Menschenhändler, Pädophile und Kriminelle aller Art sich dort zu verbrechen verabreden konnten. Dominique erteilte den Männern genaue Anweisungen, wie sie seine Frau missbrauchen sollen, ohne sie aufzuwecken. Die Täter waren zwischen 22 und 70 Jahre alt. Die sexualisierte Gewalt und der unbemerkte Medikamentenkonsum führten bei Gisèles zu schweren gesundheitlichen Problemen, darunter Schlafstörungen, gynäkologische Beschwerden, vier Geschlechtskrankheiten, die erst durch die Gerichtsmediziner identifiziert wurden, Gedächtnisverlust und Depressionen. Wegen ihrer Gedächtnislücken und Schmerzen im Unterleib suchte Gisèle Pelicot diverse Arztpraxen auf. Aber in keiner Arztpraxis kam der Verdacht auf, es könnte sich um Vergiftung und Betäubung durch Medikamente handeln, weshalb keine toxikologische Analyse durchgeführt wurde.
Im Jahr 2020 beobachtete ein Security eines Supermarktes, wie Dominique Pelicot mit seinem Handy Kundeninnen unter dem Rock fotografierte. Die drei betroffenen Kundinnen brachten diesen Vorfall zur Anzeige, deshalb wurde er festgenommen. Später endeckten die Polizisten in seiner Tasche einen Camcorder, eine Kamera und Kondome. Auf seinem Computer fanden die Ermittler Videos und Fotos, welche die jahrelang systematisch begangenen Vergewaltigung seiner Frau dokumentierten.
Als die ganzen Taten aufgedeckt wurden, brach der enge Kontakt zu seine Kindern und Enkelkinder ab.
Gisèle Pelicot wurde wegen ihres großen Mutes im Prozess zur Frau des Jahres 2024 gekürt. Sie entschied sich, den Prozess öffentlich zeigen zu lassen. Zitat: „Die Scham muss die Seite wechseln.“
